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Gelassenheitsprüfung der besonderen Art


Anfangs Februar 09 wurde ich vom Fasnachtskomitée Nuglar angefragt, ob ich dieses Jahr wiederum am Umzug der Dorffasnacht mitmachen würde. Mit einem knapp dreijährigen Pferd schon an die Fasnacht, fragte ich mich? Ich zögerte! So beschloss ich etwas auszuprobieren. Da ich wusste, dass Guggemusikcliquen auf der "Sichtern" Marschübungen durchführten, fuhr ich mit der Kutsche bewusst in dieser Gegend. Gleichzeitig nahm mein Mann auf den Wagen den Kassettenrecorder mit Fasnachtsmusik mit. Doch anscheinend war just an diesem Tag keine Guggeclique zur Marschübung unterwegs. So drehte kurzerhand mein Mann das Radio mit der Musik auf voller Lautstärke. Verwundert lauschte Enya den ungewohnten Lärm, aber ansonsten reagierte sie kaum. Sie zog den Wagen, ohne einen Gang schneller zu werden. Ihre Mutter Lorena "tanzte" im Takt der Musik. Spaziergänger, die wir unterwegs begegneten, amüsierten sich. Doch da! Was für Töne sind in der Ferne zu hören? Eine Pfyffer- und Trommelgruppe! Als sie uns sahen, hörten sie sofort auf zu spielen. Sie nahmen an, dass die hohen Töne der Piccolos für die Pferde nicht gerade ohrenfreundlich sind. Wir riefen ihnen zu, dass sie weiterspielen sollten. Sie folgten unsere Bitte und beide Pferde reagierten im geringsten. Somit waren wir überzeugt, dass es am Umzug in Nuglar klappen würde. Um ganz sicher zu gehen, liess ich etwa vier Tage lang während der Fütterung den Recorder mit Fasnachtsmusik laufen.


Dann kam der grosse Tag: Mein Mann bereitete den Wagen vor und ich die Pferde. Das Wetter war nicht gerade rosig. Eine Mischung von Schnee und Regen und ziemlich kalt. Doch welch ein Glück! Eine Stunde vor Umzugsbeginn hörten die Niederschläge auf, aber die Luft blieb nasskalt. In den Strassen dröhnte die Fasnachtsmusik und die Wagencliquen waren mit ihrem lauten Getöse auch nicht zu überhören. Wir entschieden für den Ungarischen Jagdwagen und ich schirrte den Pferden sicherheitshalber das Brustblattgeschirr mit den Scheuklappenzaumzeug an. Enya hatte dieses Geschirr erst zum dritten Mal an. Normalerweise fuhr ich mit dem Bündnerkummet. Ich spannte meine beiden "Frauen " ein und wir fuhren los. Kaum wollten wir in die Dorfstrasse einfahren, begegneten wir eine Guggenclique, die spielend zum Ausgangspunkt marschierte. Das ist die erste Probe für Enya. Schliesslich ist es ein Unterschied, wenn die Musik live oder aus dem Radio gespielt wird. Aber Enya blieb gelassen. Beide Pferde standen ruhig in der Verzweigung und machten keine Anstalten zu flüchten oder scheuen. Nachdem wir eine kleine Aufwärmrunde machten, reihten wir uns ein. Traditionell fuhren wir als letzter Wagen. der sogenannte "Bäsewaage". Da weiss jeder, dass nach uns niemanden kommt. Dann kam der Umzug in Bewegung. Vor uns war ein Wagen mit einer Konfettikanone. Sie machte zuerst einen lauten Knall und danach regnete es Konfetti. Ich war auf die Reaktion des junges Pferdes gespannt. Doch anscheinend war ihr der Lärm egal und es störte auch nicht als die Konfettis über ihren Kopf rieselten. Links und rechts säumte sich eine Menschenmenge und mancher Knirps kam an die Räder der Kutsche gefährlich nahe. Sie wollten alle ein Bonbon oder eine Rose. Beide Pferde blieben bei dem Getöse gelassen und zogen die Kutsche mit einer stoischer Ruhe gemächlich durch den Weg. Enya passte auf, dass kein Kind überrumpelt wird. Auf dem Dorfplatz standen die meisten Leute. Alle drängten an die Wagen und wollten etwas erhaschen. Mancher Zuschauer konnte es nicht lassen und streichelte einer der Pferde. Die Fasnachstmusik hallte durch die Strassen und die hupenden Wagen waren auch nicht zu überhören. In diesem Augenblick knallten einige Knallfrösche! Doch die Pferde standen in der Menge mit einer Colness, als würden sie dies jeden Tag machen.
Nach dem Umzug fuhren wir wieder nach Hause, schirrten die Pferde ab und brachten sie in die Boxe zurück. Die Extraportion "Rüebli" haben sie verdient. Ich war auf die "Kleine" stolz. Sie war knapp drei Jahre alt und schon ging sie an der Fasnacht wie ein Profi.
An der Fasnacht 2010 waren wieder dabei. Diesmal hatte ich wegen dem frühen Datum der Fasnacht kaum Zeit fürs Vorbereiten. An der Fasnacht fuhren wir mit dem ländlichen Wagonette und Bündnergeschirr ohne Scheuklappen. Trotz Rummel, Lärm, Getöse, Kälte, rennende Kinder, schritten unsere Pferde mit einer Gelassenheit und Ruhe durch den Umzug. Der vordere Wagen hatte eine " Riesenrätsche". Dieses Ding machte einen Höllenlärm, sogar für meine Ohren. Doch beide Pferde liessen sich nicht aus dem Konzept bringen. Wenn Kinder Bonbons auf der Strasse auflassen, blieben sie solange stehen bis das letzte Kind sein Bonbon fand. Da konnte ich lange "Hü" rufen. Sie blieben einfach stehen und gingen erst, wenn die Strasse frei war. Wenn es mit der Sucherei zu lange ging, dann zupfte Enya sanft am Kostüm des Kindes, damit das Kind die Strasse wieder frei machte.
Wenn solche Freiberger ohne Probleme und ohne irgendwelche Beruhigungsspritzen an einer lärmigen Veranstaltung teilnehmen, dann sind dies die besten Charakter. Das ist die beste Werbung! Jeder Freiberger, der diesen sanftmütigen Charakter und Colness besitzt, sollte zur Zucht eingesetzt werden.

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Soraya (Elysée II / Eiger) , 0% FB, Jahrgang 2007 , die Vollschwester von Enya , Besitzer : Norbert Solenski, Ottersberg / Deutschland, Züchter: Familie Saladin, Büren / SO, Schweiz, hat bei der Aufnahme ins Stutbuch der Kaltblutrasse in Niedersachsen (Deutschland) den 1. Rang gemacht und ist gleichzeitig Staatsprämienstutenanwärterin!

Wir gratulieren den Besitzer und seiner Stute

Die beste Werbung für den Freiberger!

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